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Viel Spaß beim exklusiven Einblick in "Zorn"

Der Prolog - als Fließtext oder Bildergalerie

Prolog

Ruckartig wurde ihr der stinkende Sack vom Kopf gezogen und vom Schweiß feuchte Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht.
Grelles Licht blendete sie, Hitze schlug ihr lodernd entgegen und die rußenden Flammen ließen ihre Augen tränen.
Als die Fackel gesenkt wurde, erkannte sie im flackernden Lichtschein einen düsteren Flur. Die Schemen von zwei hochgewachsenen Gestalten verstellten ihr größtenteils die Sicht und sie konnte nicht sagen, wo sie sich befand. Die Betäubung ließ nur allmählich nach, lastete auf ihren Gedanken und machte sie träge und wirr.
Einer der Krieger ging an ihr vorbei, und sie hörte seine Schritte dumpf den Flur hinunter verschwinden. Der Zweite trat neben sie, wechselte ein paar leise Worte mit einem Dritten hinter ihr - erst jetzt bemerkte sie den eisernen Griff um ihre auf den Rücken gefesselten Armen.
Zwei also.
Und kein Anzeichen von weiteren Ratken.
Unsicherheit raubte ihr beinahe den Verstand, aber die Angst belebte ihren Geist und gab ihr neue Kraft. Sie brauchte Gewissheit, was nach der Gefangennahme mit ihrer Tochter geschehen war. Wie hatte es nur so weit kommen können?! Alles war schiefgelaufen und jetzt befanden sie sich in größter Gefahr. Ihre Tochter durfte auf gar keinen Fall in die Hände der Königin geraten. Nicht nachdem diese von der Prophezeiung erfahren hatte.
Sie musste entkommen! Sie musste sich losreißen, die Männer irgendwie ausschalten und ihre Tochter finden! Unwillkürlich zuckte sie etwas nach vorne, doch eine kühle Klinge an ihrem Hals beendete den Fluchtversuch, noch bevor er begonnen hatte.
„Versuch das noch einmal, Hexe, und ich schneide dir mit Vergnügen die Kehle durch“, grollte eine drohende Stimme hinter ihr.
Schmachvoll musste Ithilia sich eingestehen, dass sie keine Chance haben würde. Man würde sie in diesem engen Gang sofort wieder überwältigen, selbst wenn sie sich aus dem Griff ihrer Wächter befreien könnte.
Die Klinge blieb weiterhin drohend an ihre Kehle gepresst. Ein Streich würde genügen - und sie konnte spüren, dass es dem Mann hinter ihr in den Fingern juckte.
„Du wirst doch nicht der Königin den Spaß verderben wollen, oder? Nicht auszudenken, an wem sie dann wohl ihre Wut auslassen würde“, presste Ithilia zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Schnauze! Mazuk ist gleich zurück, er wird entscheiden, was mit dir geschieht!“
Im nächsten Moment wurde sie zur Seite gedrängt und in einen Raum geschoben.
Gerade wollte sie den Mund aufmachen, da wurde das Messer von ihrem Hals genommen. Der Schlag des Knaufs ließ Sterne vor ihren Augen tanzen, bevor alles verschwamm.
Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Irgendwann wurde ihr klar, dass sie auf die Knie gesackt war und an den Armen gehalten wurde.
Diesmal war der Raum dunkler, niemand stand vor ihr, sie starrte auf eine leere, weiße Wand mit braunroten Flecken.
Hinter ihr erklang ein Geräusch, das ihr Blut zu Eis erstarren ließ. Angst zuckte durch ihren Kopf, als die Erinnerungen mit einem Schlag wiederkehrten. Ein Teil von ihr wollte weinen, ein anderer vor Wut laut aufschreien.
Unmittelbar wollte sie den Kopf drehen und hinter sich sehen, aber der Griff eines Ratken verhinderte es.
Da war es wieder, das Wimmern.
Die Pranken schlossen sich fester um ihre gefesselten Handgelenke, als sie sich sträubte. Ein höhnisches Lachen erklang und jagte ihr ein Schaudern über den Rücken. Sie kannte die Stimme.
„So, du bist also endlich wach?“, raunte Mazuk hinter ihr. „Und auch schon wieder ganz die Alte, wie meine Wächter mir berichtet haben. Denk nicht einmal an Flucht, es würde nicht gut für dich ausgehen.“
„Ich will sie sehen!“, keuchte sie und verdrehte sich fast den Hals, um nach dem jammernden Bündel Ausschau zu halten.
Das Lachen wurde grausamer und näherte sich, dann trat Mazuk in ihr Blickfeld. „Oh, sei unbesorgt, wir kümmern uns um sie.“
Sie wusste nicht, ob sie froh darüber sein sollte, dass nicht er ihre Tochter in seinen Pranken hielt. Sie wollte sie sehen, wissen, dass sie gesund war, aber sie in seiner Gewalt zu wissen ...
„Wenn du meiner Kleinen auch nur ein Haar kr-“, fing sie an, doch der Schlag seiner Faust setzte ihrer Drohung ein plötzliches Ende und ließ sie wieder einen Moment zusammensacken.
Ihr Kopf dröhnte, ihren Willen würde er auf diese Weise jedoch nicht brechen.
„Du bist nicht in der Position, mir zu drohen! Dein Leben und das deiner Tochter gehören meiner Herrin.“
In den Augen des Ratken glitzerten Genugtuung und Hass zugleich. Sie starrten sich einen Moment an, die Mutter und der aufstrebende Krieger, dann legte Mazuk seine Hand an den Gürtel. Da sah Ithilia, dass ihr Dolch nun demonstrativ daran steckte, als wäre die Waffe aus dem seltenen, dunkelblauen Metall schon immer in seinem Besitz gewesen.
Das erneute Wimmern ließ ihr Herz rasen. Die Vorstellung, was die Königin mit ihrer Kleinen anstellen würde, war unerträglich.
„Wie würde es dir gefallen, zuzusehen, wie ich deine Tochter an meine Königin überreiche? Oh, ich wage es kaum mir vorzustellen, was sie alles mit ihr machen wird. Wie lange ein so junges Kind wohl die Folter ertragen kann? Oder du, bevor du bei diesem Anblick wahnsinnig wirst?“
Ithilia knirschte mit den Zähnen, er schien ihr die Gedanken geradewegs vom Gesicht ablesen zu können.
„Da du ein widerspenstigeres Biest bist, als ich annahm, werden wir uns hiermit Abhilfe schaffen.“ Er ließ etwas Kleines aus seinem Beutel gleiten und hielt es vor ihr Gesicht. Sie brauchte einen Moment, bis sie die schwarzen Blitze im Inneren des hellen Steins bemerkte.
Ein Bilur.
Mazuk trat aus ihrem Sichtfeld und sie spürte, wie an ihren Fesseln gezerrt wurde. Dann die brennende Kälte des Absorbers, der gegen ihre Handfläche gepresst und mit einem Band um ihre Hände so festgeschnürt wurde, dass er in ständigem Kontakt zur Haut war.
Ihr wurde augenblicklich schlecht, als der Stein die Magie aus ihrem Körper zog.
Mazuks Schnauben klang zufrieden. „Los Männer, auf geht’s.“
Auf seinen Befehl hin wurde sie auf die Beine gezerrt. Die Ratken drehten sie so zur Tür, dass sie keinen Blick in die Ecke des Raums werfen konnte, in der jemand mit ihrer Tochter in seinen groben Armen stehen musste. Der stinkende Atem eines Ratken würde ihr ganz nah …
Ein Stoß riss sie aus den Gedanken, als ihre Schritte unbewusst langsamer geworden waren. Sie verließen das schmutzige Zimmer, gingen durch einen engen Flur und erreichten eine Treppe, die sie beinahe hinunterstürzte, als die Männer sie vorwärts schoben. Das laute Knarzen des Holzes ließ sie vermuten, dass noch weitere Ratken folgten. Mazuk würde sie und ihre Tochter wohl nicht mehr aus den Augen lassen.
Ich muss etwas unternehmen! Ich muss …
Ihre Kehle schnürte sich zu, kaum hatten sie das untere Ende der Treppe erreicht.
Vor ihnen erstreckte sich ein großer, alter Gewölbekeller, dessen Mitte von einer wabernden magischen Sphäre erhellt wurde.
Nein!
Das Portal knisterte leicht, als die Gruppe eintrat. Fein verästelte Blitze zuckten aus seinem Inneren und liefen an alten Holzfässern entlang, die an Säulen standen.
„Sind wir erst einmal drüben, gibt es kein Entrinnen mehr für dich“, stellte Mazuk mit vor Genugtuung triefender Stimme fest.
Sie konnte sein Gesicht nicht erkennen, da er sie im Gegenlicht des Portals betrachtete. Aber sie wusste ganz genau, wie selbstgefällig er grinsen konnte.
„Lasst uns keine Zeit mehr verlieren“, befahl Mazuk und deutete mit einem befehlenden Kopfnicken auf das Portal.
„Ach, diese Endgültigkeit. Ich kann sie kaum in Worte fassen. Ich glaube, ich werde es fast vermissen, dich und dein Rebellenpack zu jagen.“
Die Ratken lachten kurz, dann betraten sie den leuchtenden Bereich des Portals und Ithilia riss schmerzverzerrt Augen und Mund auf.
Stechender, beißender Schmerz durchfuhr ihren Körper, strahlte von ihren Händen aus und ließ ihr Herz beinahe stehen bleiben. Sie bemerkte kaum, wie der Raum verschwamm, wie die Welt sich drehte und verschob und wie ihr Körper durch die Magie des Portals in die andere Dimension gezogen wurde.
Der Schmerz wallte durch sie hindurch, beherrschte sie vollkommen und brannte sich in ihren Kopf.
Die Ratken zuckten unwillkürlich zusammen, als sie auf der anderen Seite auftauchten, so laut war ihr Schreien. Sie zerrten sie rasch aus dem Portal, aber der Schmerz hielt an. Es fühlte sich an, als würden ihre Arme mit Säure übergossen.
Dumpfe Worte drangen langsam an ihr Ohr, aber sie brachte nicht mehr als Stöhnen hervor und spürte die Tränen unkontrolliert über ihr Gesicht rollen. Die Säure hatte sich jetzt bis zu ihren Schultern vorgefressen und ließ sie wieder schreien.
Ihre Arme brannten so schrecklich, dass es ihr die Sicht vernebelte. Die saugende Wirkung des Bilurs ließ ihren Magen rebellieren. Sie spürte, dass sie nicht mehr selbst stand. Man schleifte sie weg vom Portal und durch ein offenes Tor.
Kaum waren sie aus dem Raum, ging es ihr schlagartig besser. Die Schmerzen vergingen, nach mehrfachem Blinzeln klärte sich ihre Sicht wieder. Mazuk taxierte sie mit zusammengepressten Lippen.
Ithilias Arme kribbelten noch immer und sie spürte, wie der Bilur in ihrer Hand schwach vibrierte. Schweiß lief ihr in die Augen, aber sie ignorierte es und starrte in Mazuks Gesicht.
„Der Absorber muss einen Riss haben, sonst hätte sie nicht so reagiert“, mutmaßte einer ihrer Wächter, aber Mazuk schnaubte nur.
„Hauptsache, sie überlebt die nächsten Korridore.“
Er nickte mit dem Kopf, Zeichen genug für seine Männer, die schwer atmende Gefangene weiterzuschleifen.
Es dauerte einen Moment, bis sich Ithilias Herzschlag wieder soweit beruhigt hatte, wie es die Angst um ihre Tochter zuließ. Aber immerhin hatten die alles verzehrenden Schmerzen nachgelassen.
Das ist nichts im Vergleich zu dem, was dir bei Zayda blüht …, flüsterte eine leise Stimme in ihrem Kopf.
Sie waren gerade erst um zwei Ecken gebogen, als sie schon wieder anhielten.
Ein alter Sklave, kam den Gang entlang gehastet und blieb mit gesenktem Kopf vor Mazuk stehen. Er hielt ihm eine Nachricht hin, die der Krieger entgegennahm.
Mazuk überflog die Nachricht, steckte sie in seinen Mantel und verscheuchte den Diener mit einer üblen Drohung. Dann nickte er den anderen zu, sich wieder in Bewegung zu setzen.
Die nächsten Gänge legten sie schweigend zurück, bis sie an eine Weggabelung kamen. Dort hielt Mazuk erneut an und wandte sich seiner Gefangenen zu.
„Mir ist gerade ein interessanter Gedanke gekommen. Vermutlich wird sie dein Mädchen gar nicht töten! Nein, sie wird sie als ihr eigenes Fleisch und Blut aufziehen, um sich so ihre zukünftige Macht zu sichern.“
Mazuk lachte grausam, dann drehte er sich um, vom entsetzten Ausdruck in ihrem Gesicht anscheinend genügend befriedigt.
„Behaltet Ithilia hier, ich nehme das Mädchen.“
„Nein! Trennt mich nicht von ihr!“
„Es ist der Wunsch unserer Herrin, zuerst nur das Kind zu sehen. Um dich kümmert sie sich noch, keine Sorge. Männer, ihr bringt sie in den Dom, bis Zayda sie sehen will.“
Einer der Krieger aus Mazuks Gefolgschaft ging von hinten an ihr vorbei. Er trug ein Bündel in den Armen. Ithilia erstarrte und ihr Blick heftete sich daran. Einen kurzen Moment meinte sie, die blauen Augen ihrer Tochter erkennen zu können.
Zu sehen, wie der Ratke sich abwandte und Mazuk folgte, ließ ihren Überlebenswillen mit einem Schlag aufflammen und belebte sie mit Energie.
So schwer es ihr auch fiel, sie zwang sich, die Augen zu schließen und sich zu konzentrieren. In ihrem Inneren pulsierte ein schwacher Strom aus Magie, der mit jedem Moment, den sie langsam ein- und ausatmete, wuchs und an Kraft gewann. Die Energie war so flammend heiß und von einer ganz anderen Natur als ihre normale Magie, dass sie den Absorber überflutete.
Die Schritte vor ihr verhallten, Mazuk und ihre Kleine waren fort.
Aber ich finde sie wieder. Egal wo sie ist.
Sie ließ den Kopf hängen, atmete weiter und versuchte krampfhaft, die Hand der einen Wache zu ignorieren, die langsam zu ihrer rechten Brust wanderte.
Sie wollen mich verhöhnen, mir das letzte Bisschen Ehre nehmen, lass dich nicht ablenken!
Ein letztes Mal atmete sie ruhig aus, dann hob sie den Kopf und öffnete die Augen. In ihnen brannte ein leuchtendes Feuer.
Innerhalb eines Wimpernschlags setzte sie alle magischen Kräfte in ihrem Körper frei und lenkte sie zu ihren gefesselten Händen, wo der Bilur sie aufnahm.
Der Absorber hat einen Riss.
Die Explosion zerriss die Stille und schleuderte die beiden Wächter von ihr fort. Gleichzeitig wurde sie nach vorne geworfen, spürte heiße Flammen über ihre Haut züngeln und das Prickeln der Magie, die den Raum schlagartig erfüllte.
Die Ratken krachten rechts und links im Gang an die Wand und rutschten betäubt daran herunter, während Ithilia zu Boden stürzte und sich abrollte, so gut es ihre gefesselten Hände zuließen.
Fluchend erkannte sie, dass der plötzliche Druck die Seile nicht zerrissen hatte und ihre Situation kaum verbessert war. Mazuk hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Seile mussten magisch behandelt worden sein.
Sie rappelte sich auf und wankte zu dem näherliegenden Ratken, ließ sich seitlich neben ihm in die Knie sinken und fingerte mit ihren gefesselten Händen nach dem Messer an seinem Gürtel.
Nach einigen Flüchen und nervösen Blicken den Gang entlang hatte sie es aus der Scheide gezogen und in ihren Händen gedreht. Sie stand auf, drückte sich mit dem Rücken an die Wand und presste das Messer so an die Fesseln.
Das gleichmäßige Ratschen der zerschnittenen Fasern schien kein Ende nehmen zu wollen, bis der Druck auf ihre Handgelenke endlich nachließ. Sie schüttelte die Seilstücke ab, packte das Messer fester und schlich geduckt los, um Mazuk zu finden.
Ihre Füße und Beine kribbelten, fühlten sich taub und kalt an, aber sie ignorierte die Schwäche und fokussierte ihre Kräfte, während sie weitereilte.
Als sie durch mehrere Türen und angrenzende Gänge geschlichen war, erspähte sie Mazuk und seinen Begleiter, wie sie um die nächste Ecke bogen.
Sie flog beinahe, hielt das Messer bereit – bündelte ihre letzten Ressourcen und schleuderte Mazuk einen Blitz entgegen, kaum war sie um die Biegung. Der Ratke ächzte und torkelte gegen die Wand. Qualm stieg von Mazuks Lederrüstung auf, während seine Arme unkontrolliert zuckten und kleine Restladungen über seinen Körper tanzten.
Der andere Wächter wirbelte herum, konnte aber keine Waffe zücken, da er das Kind in den Armen hielt.
Ithilias Messer fand sein Ziel in seiner Kehle. Der Ratke gab ein gurgelndes Geräusch von sich und sackte weg. Blut lief über sein Wams und in den Stoff des Bündels. Noch während er wegtorkelte, entriss Ithilia ihm das Kind und presste es an ihre Brust.
Sie wollte gerade das Messer aus dem sterbenden Körper ziehen, als sie im Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Mazuk bekam sich wieder unter Kontrolle, rappelte sich auf und griff bereits nach ihr und der Kleinen.
Vor Wut schreiend verpasste sie ihm einen Faustschlag ins Gesicht, wich dann vor ihm zurück und rannte in Richtung des Portalraums ...
Sie schlitterte den Gang entlang, stürzte durch mehrere Türen und kam zum Stehen. Das Bündel in ihren Armen regte sich schwach. Ihr Blick fiel auf das Tor der Portalkammer am Ende des Ganges. Jemand schritt gerade durch den offenen Eingang und betrat den Raum, aus dem pulsierendes, bläuliches Licht in den düsteren Gang sickerte.
Ihre Beine setzten sich wie von selbst in Bewegung. Das war ihre einzige Chance.
Wenn das Tor sich schloss, würde sie es ohne einen Speicherstein nicht wieder öffnen können.
Der Atem brannte ihr in der Lunge, während sie so schnell wie möglich zu der großen Steintür rannte, die sich allmählich von selbst schloss.
Ein Knirschen erklang, als sie das Tor erreichte und sich durch den enger werdenden Spalt schob. Von draußen hallte Mazuks wütender Ruf.
Dann fiel der Stein mit einem leisen Klicken zu und ein magisches Knistern zeugte davon, dass sich das Tor vollständig verschlossen hatte.
Sofort ließ Ithilia den Blick durch den säulengestützten hohen Raum schweifen, der von blauem Licht erhellt wurde. Sie war allein, wer auch immer vor ihr eingetreten war, musste schon durch das Portal auf die andere Seite getreten sein.
Sie durfte keine Zeit verlieren, egal, wie viele drüben warten mochten. Nichts konnte schlimmer sein, als wieder in die Hände von Mazuk, und damit in die grausamen Klauen der Königin zu fallen.
Und sie hatte nur wenige Augenblicke, bevor er das Tor wieder öffnen konnte.
Sie presste ihre Tochter an die Brust und trat in den Energiesog des Portals.
Die Magie riss sie hinüber in die andere Dimension, diesmal zum Glück ohne Schmerzen, da der Absorber fort war. Nur die magische Betäubung machte sich bemerkbar.
Sie wartete gerade lange genug, um ihre Beine wieder fühlen zu können – dann hetzte sie los.
Der Ratke, der kurz vor ihr durch das Portal getreten sein musste, hatte einen Weinschlauch entkorkt und gehoben. Er wollte soeben den anderen etwas in ihre Trinkhörner einschenken.
Anscheinend sollte ihre Gefangennahme gebührend gefeiert werden.
Sie sah alles wie in Zeitlupe. Der Mann drehte sich, als ein Blitz aus dem Portal schoss und sie darin auftauchte. Er senkte den Schlauch, öffnete den Mund. Auch die anderen Krieger hatten sie gesehen.
Wein spritzte durch den Raum, als der Mann sich ihr entgegenwarf.
Ithilia rannte auf ihn zu, duckte sich im letzten Moment und tauchte unter seinem Griff hindurch. Sie spürte, wie seine Hand einige ihrer Haare erfasste und ausriss, dann hetzte sie weiter und ließ die Ratken mit offenen Mündern hinter sich.
Die Treppe hoch, den Gang entlang.
Hinter ihr schrien die Männer wild durcheinander und polterten die Stufen hinauf. Ein lauter Befehl mischte sich dazu. Mazuk war durch das Portal gekommen.
Ithilia sah sich hektisch um, der Gang endete in einem großen Raum, aber alles schien verbarrikadiert. Nur eines der Fenster ließ etwas Licht durch ein paar Spalten der morsch aussehenden Bretter. Sie rannte darauf zu, nutzte den Schwung und trat mit dem Fuß dagegen.
Die Stimmen wurden lauter, die Ratken waren jetzt im Gang.
Das Fenster flog nach außen auf und sie schwang sich hastig auf die Straße hinaus.
Draußen war es dunkel und kalt. Sie kam auf dem nassen, rutschigen Pflaster auf, torkelte kurz und fand dann wieder ihr Gleichgewicht. Ohne noch auf die Verfolger zu achten, wandte sie sich ab und hastete die Gasse hinunter.
Ein Brüllen hallte die enge Straße entlang, aber es beflügelte Ithilias Beine nur umso mehr.
Eine Weile waren nur ihre hallenden Schritte und ihr heftiger Atem zu hören – dann huschte Ithilia um die nächste Hausecke und hielt inne.
Im Schein einer Straßenlaterne wagte sie es, einen kurzen liebevollen Blick auf das kleine Gesichtchen in dem Lumpenbündel zu werfen. Die Augen ihrer Tochter waren vom vielen Weinen gerötet, aber das konnte das strahlende Blau nicht mindern.
Die Mutter riss den Blick los. Sie durfte keine Zeit verlieren.
Es grenzte an ein Wunder, dass ihr diese Flucht gelungen war, doch die Königin und ihre Handlanger waren ihr auf den Fersen und nicht dumm. Ein talentierter Magier würde ihre Spuren bald wieder aufnehmen können, egal wohin sie fliehen mochte.
Mazuks bestialisches Brüllen hallte noch immer in ihren Ohren.
Zitternd drückte sie das Kind wieder an sich und rannte weiter die Gasse entlang, ins Herz der fremden Stadt.

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