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Romantik? Pah!

Tyarul ... besucht Zayda in Natuh ;)

 

Vanu war zwar nicht zu hören, als sie sich dem Zimmer näherte, das sie und Zayda sich teilten, doch ihre Gedanken waren so flatterig, dass sie Zayda entgegensprangen wie ein Schwarm Schmetterlinge. Sie wollte sie wegwedeln, aber da stürmte die junge Felide auch schon herein und warf sich mit Wucht auf ihr Lager. Mit dem Gesicht nach unten grub sie sich in die Leinendecke, obwohl der schwüle Sommertag ihnen allen den Schweiß aus den Poren trieb. Laut seufzend drückte sie sich noch einen Moment ins Leinen, dann stützte sie sich hoch und sah Zayda vorwurfsvoll durch den dämmrigen Raum hinweg an.

„Willst du mich gar nicht fragen, was los ist?“

Zayda verdrehte die Augen. „Nicht, wenn es wieder um deinen“ – sie unterdrückte ein Würgen – „Schwarm geht.“

Vanu seufzte. „Natürlich geht es um ihn!“

Zayda richtete sich widerwillig in ihrem Bett auf und machte es sich im Schneidersitz bequem. Jetzt fing das wieder an … aber um Vanus Gefolgschaft willen ließ sie es über sich ergehen. Wieder.

„Was ist los?“, fragte sie absichtlich theatralisch.

„Er hat mich noch immer nicht bemerkt!“

„Hast du versucht, ihm einen Dolch zwischen die Finger zu schlagen? So zeigen Ratken, dass sie jemanden interessant finden. Habe ich zumindest gehört, als eine Frau meinem Bruder beinahe den Zeigefinger abgeschnitten hätte.“

Vanu seufzte wieder. War sie etwas grün im Gesicht? „Ich habe heute bei den Meditationsübungen absichtlich meine Funken an seinen entlangstreifen lassen …“ erwiderte sie und versank kurz in der Erinnerung, vor lauter Träumerei und Wehmut, ohne darauf zu achten, dass sie ihren Geist öffnete. Bildfetzen aus Vanus übersprudelnder Vorstellungskraft schwappten unversehens zu Zayda. Innerhalb von Sekundenbruchteilen wusste die junge Ratke viel genauer, als sie es je wissen wollte, wie Vanu sich das Gefühl seiner Lippen auf den ihren … und auch noch ganz woanders vorstellte. Sie konnte es nicht unterdrücken, sich sichtbar zu schütteln. „Das ist ja e…“ platzte aus ihr heraus. Auch wenn sie sich rechtzeitig auf die Zunge biss, war Vanu augenscheinlich klar, dass es ekelhaft heißen sollte - zumindest stand sie ruckartig auf und ging Richtung Tür. „Ich glaube, ich rede lieber mit Tanem darüber. Der versteht das wenigstens.“

Zayda sah ihr verdutzt nach. Was hatte sie denn nun schon wieder getan?

Kopfschüttelnd stand sie auf und richtete sich gerade das Haar, als sich wieder Schritte näherten. Langsamer, aber auch lauter.

Sebila kam schnaufend an die offene Tür und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

Zayda verdrehte die Augen. „Sag bloß, Vanu hat auch bei dir …“

Sebila schüttelte den Kopf. „Herrin, da ist ein Bote … aus Irfen!“

Sofort vergaß die junge Kriegerin alles um Vanu und ihre völlig absurde Liebelei. Sie strich sich das Hemd glatt, zog ihr Wams über, obwohl es dafür eigentlich viel zu warm war, und folgte dann Sebila, die sie zur Versammlungshalle des Tempels führte. Im Gegensatz zu Tna’Ni oder Irfen war hier nichts als ein zusammenhängender Komplex gebaut, sondern alles bestand aus einzelnen, kleinen und großen Gebäuden, die in einem System rund um die Halle der Hüterin aufgebaut waren, das sicherlich nur die alten Felidenmeister durchschauten.

Sie erreichten den Versammlungsort mit seinen langen Tischen und dort stach der einzelne Ratke sofort zwischen all den schlanken Feliden hervor, die dezent versuchten, den Besucher nicht zu sehr anzustarren.

Zayda hingegen starrte ihn ganz offen an. Mit seiner Rüstung musste er ebenso schwitzen wie sie, doch immerhin wirkte er wie ein echter Krieger, im Gegensatz zu den ganzen drahtigen, aber schlanken Feliden.

„Was will er?“, fragte Zayda zwischen unbewegten Lippen ihre Dienerin, bevor sie in seine Reichweite kamen. In all der Aufregung hatte sie vergessen zu fragen und schalt sich nun töricht.

Sebila senkte das Haupt. „Hat er nicht sagen wollen. ‚Das ist nur für Herrin van Dymars Ohren bestimmt, Dienerin‘, hat er gesagt.“

Zayda unterdrückte ein Seufzen, dann sie erreichten nun den Tisch, neben dem der Bote wartete. Kaum stand die junge van Dymar vor ihm, verneigte der Ratke rasch sein Haupt.

„Herrin“, begrüßte er sie. Als er den Blick wieder anhob, glänzte etwas in seinen Augen, das mehr als Neugierde war. Aber was?

„Du hast eine Botschaft für mich?“

Er neigte abermals mit einem Lächeln das Haupt, das sie bereits jetzt nervte. Warum sandte man überhaupt einen Boten, anstatt dass sie einfach von Izerdan kontaktiert wurde?

Der Krieger zog eine Rolle unter seinem Gürtel hervor und präsentierte ihr das Siegel. Von ihrem Bruder?

Sie nahm die Botschaft entgegen und reichte sie Sebila. „Bring sie auf mein Zimmer und hol uns etwas zu trinken, ja?“

„Ihr wollt sie gar nicht jetzt lesen? Was, wenn Ihr eine Antwort senden wollt?“, erwiderte der Bote überrascht. Mit seiner geschwollenen Brust wirkte er fast wie einer ihrer Brüder. Aber mit Zeruk hatte sie nicht mehr gesprochen seit … seit dem Zwischenfall. Was auch immer er ihr zu sagen hatte, war nur für ihre Augen bestimmt. Und erst recht wollte sie nicht, dass irgendein Bote dabei ihre Reaktionen beobachten konnte.

„Ich werde ihm selbst antworten, wenn mir danach ist.“

Der Bote nickte rasch, zögerte jedoch.

„Ist noch etwas?“

Er wurde rot. Bei Kalarati, warum wurde er rot?

„Ihr … mit Verlaub, Ihr seid wirklich erwachsen geworden, Herrin.“

„Wie kommst du zu dieser Aussage?“, forderte sie irritiert zu erfahren.

„Ich habe Euch schon einmal vor Jahren gesehen, als Kind … als ihr von eurer Erprobung aus den Sklavengassen zurück zum Tempel kamt. Oder eigentlich, danach, aus dem Tempel …“

„Du hast mich einmal als Kind gesehen und nun denkst du, du kennst mich.“

Er zögerte, wand sich in seinem Unwohlsein. „Ne-nein, Herrin … ich …“

Ihre alte Amme kam zurück und brachte ihnen kühles Quellwasser und Weißwein in einer untergebenen Haltung. Immer noch ganz die Alte, sobald ein neuer Ratke hereinschneite. Aber er lächelte, nahm einen Becher mit dem sauren Wein und kippte ihn in zwei Zügen herunter.

Er ließ sich nachfüllen und trank noch einmal. Zayda wurde ungehalten. Es war zwar heiß und schwül in den Wäldern, aber doch nicht so.

„Danke, Sebila, du kannst gehen.“

Sebila verneigte sich und verließ den Aufenthaltsraum durch den Nebeneingang.

Der Bote zog eine Augenbraue hoch. „Habt Ihr Euch gerade bei Eurer Dienerin bedankt, Zayda?“

Die junge Ratke schnaubte. „Das geht dich einen feuchten Dreck an, Bote.“

Aus der hochgezogenen Augenbraue wurden zwei gerunzelte. Er verschloss jegliche Freundlichkeit vor ihr und stellte den Becher geräuschvoll ab. Er verneigte sich knapp, ehe er sich wortkarg verabschiedete und ihr den Rücken zuwandte, um zu gehen.

Es ärgerte sie, wie dieser verdammte Bote sie angesehen hatte.

Vanu schneite herein und sah dem Boten nach, der gerade den Aufenthaltsraum verließ.

„Ein Ratke, hier?“, murmelte sie überrascht und wandte sich dann an Zayda. „Was war denn mit dem?“

„Frag mich nicht. Ich … er war seltsam.“

Vanu sah ihm mit einem Blick nach, der irgendwie der Verträumtheit ähnelte, mit der sie zuletzt immer ihren Schwarm bewunderte. Dann lachte sie, als habe sie etwas ganz Vorzügliches entdeckt.

„Was ist?“, zischte Zayda. Sie konnte spüren, dass Vanu in den Kopf des Boten geschaut hatte. Warum hatte sie nicht selbst daran gedacht?

„Zayda, er … ich glaube, er wollte mit dir schäkern! Aber …“

„Was, aber?“

Vanu schmunzelte, dann schüttelte sie den Kopf. „Ach nichts. Ich glaube, da sind Hopfen und Malz bei dir verloren.“


Asexualität

von unserer Gastautorin Marlen Hübner

Für viele Menschen zählt Sex zu den Grundbedürfnissen. Egal ob mit dem anderen, dem eigenen oder gar gänzlich losgelöst von Geschlechtergrenzen. Nach Jahrhunderten des Kampfes für Gleichberechtigung haben wir nun eine Zeit erreicht, in der allmählich nahezu jede sexuelle Orientierung gesellschaftlich akzeptiert wird.

Doch es gibt eine, die unsichtbar ist: Asexualität.

Schätzungen zufolge betrifft dieses „Phänomen“ etwa ein Prozent der Bevölkerung, genaue Zahlen gibt es jedoch aus Mangel an Forschung, Studien und Umfragen nicht. Ebenso fehlt es an Literatur darüber. Im Internet findet man ein paar verstreute Zeitungsartikel, einige Foren, wie beispielsweise www.aven.de und die ein oder andere kleine Gruppe auf Facebook.

Aber was ist diese Asexualität denn nun?

Asexualität bezeichnet nicht nur eine sexuelle Orientierung. Genaugenommen ist es ein Sammelbegriff für ein ganzes Spektrum mit verschiedenen Abstufungen. Egal ob angeboren oder entwickelt (z.B. durch Traumata) haben die Menschen dieses Spektrums eines gemein: die eingeschränkte Libido. Grundsätzlich empfindet der asexuelle Mensch keine erotische Anziehung gegenüber anderen Individuen, hat dadurch aber keinen primären Leidensdruck. Ein Asexueller ist meist in der Lage, sich geschlechtsunabhängig zu verlieben (er kann also genauso wie jeder andere auch heteroromantisch, homoromantisch usw. sein), romantische Gefühle zu entwickeln und sein Gegenüber attraktiv zu finden. Er kann körperliche Nähe wie Umarmungen und Küsse genießen, doch sobald es darüber hinaus geht, wird es oft schnell unangenehm. Durch das Fehlen der eigenen Erregung gleicht Geschlechtsverkehr für diese Menschen oft nur einer sportlichen Aktivität. Manche empfinden den Sex sogar als notwendige Pflicht, weil es nun mal erwartet wird. Genau an diesem Punkt beginnt das Spektrum. Denn wo es einen Grundsatz gibt, gibt es oft auch Ausnahmen. Unter anderem:

Gray-Sexualität

In diesem Fall befindet sich der Mensch irgendwo zwischen Sexualität und Asexualität. Der Sexualtrieb ist prinzipiell vorhanden, wird vielleicht sogar ausgelebt, allerdings sehr selten.

Demi-Sexualität

Hier besteht die Möglichkeit einer sekundären sexuellen Anziehung. Das heißt die primären Anziehungspunkte wie Größe, Statur oder Frisur spielen keine Rolle. Es kommt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Charakter an. Denn der Demisexuelle entwickelt nur dann Lust, wenn eine wirklich starke emotionale Bindung zu seinem Partner existiert.

Aceflux

Die sexuelle Anziehung ist zwar prinzipiell vorhanden, schwankt aber sehr stark zwischen intensiv und nicht vorhanden.

Auto-Sexualität

Die Libido ist mehr oder weniger vorhanden, bezieht sich allerdings nur auf den eigenen Körper; diese Menschen masturbieren beispielsweise gerne, während sexuelle Interaktion mit anderen eher unerwünscht ist.

… und viele weitere Ausprägungen

Asexualität ist eine sehr individuelle Angelegenheit - neben den erwähnten Ausprägungen gibt es noch viele andere Abstufungen und Formen. Manche etwa haben durchaus eine Libido, konsumieren sogar gerne erotische Inhalte, haben aber kein Bedürfnis, diese Erregung in irgendeiner Art und Weise umzusetzen.

Und dann gibt es da sogar noch die Aromantik, bei welcher man nicht einmal eine romantische Anziehung zu anderen empfindet. Hier spielt sich die soziale Interaktion auf rein platonischer Ebene ab. Aromantik geht gelegentlich Hand in Hand mit Asexualität, wie es etwa bei Zayda der Fall ist. Sie bedingen einander aber nicht und treten auch unabhängig voneinander auf.


Organisationen, wie beispielsweise Aktivista, kämpfen darum, das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu rücken. Denn viele Betroffene wissen gar nicht, dass es einen Begriff für ihre Andersartigkeit gibt. Es ist einfach nur eine sexuelle Orientierung wie alle anderen auch. Und selbst wenn jemand herausgefunden hat, dass er asexuell ist, dann fällt es ihm oft schwer, sich vor Familie und Freunden zu outen. Denn wie oft wird dieses Outing mit Kommentaren wie „Das gibt es doch gar nicht!“, „Du hattest nur noch nicht den/die Richtige!“ oder „Lass das mal von nem Arzt untersuchen!“ quittiert. Die meisten Allosexuellen (so die Bezeichnung für Menschen mit „normal” ausgeprägtem Sexualtrieb) reagieren in diesem Fall mit Unverständnis. Nachvollziehbar, da die Libido für 99% ein normales Gefühl wie auch Hunger oder Müdigkeit ist. Etwas, was zum Leben … zum Dasein als Mensch nunmal dazugehört.

Zu unterscheiden ist die Asexualität an dieser Stelle von anderen Fällen von Alibido, das heißt dem Ausbleiben von sexueller Lust: Sollte eine vorher normal ausgeprägte Libido ohne erkennbaren Auslöser zurückgehen oder gänzlich ausbleiben, ist eine Abklärung ratsam - denn dahinter kann sich eine ernstzunehmende Erkrankung verstecken, sowohl psychisch (etwa eine Depression) als auch physisch (etwa unnormale Änderungen am Hormonsystem).


Aber es gibt sie. Diese kleine Gruppe von Menschen, für die Sex keine Rolle spielt. Asexualität ist keine Krankheit, keine Störung, nichts, was man heilen oder therapieren muss. Es ist vollkommen okay, keinen Sex zu wollen. Sei einfach du selbst!


Quellen:

https://aktivista.net/2015/09/09/demisexualitaet-eine-orientierungshilfe/

https://queer-lexikon.net/uebersichtsseiten/a_sexualitaet/

https://innenansicht-magazin.de/2017/10/22/das-einmaleins-der-asexualitaet/

https://www.asexuell.ch/asexualit%C3%A4t-was-ist-das/studien/

Welcher Bilur hier passt oder nicht? Na einer für Glück und Romantik ;)

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