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Auf in die Sümpfe

 

Tyarul

 

 

 

~~~ Irgendwo in den weiten Sümpfen von Irfen ... treffen sich Zenay und Zayda in Gedanken. ~~~

 

 

 

Ich werde mit dir üben, kleine Zenay. Denn dich zu kontrollieren, bereitet mir eine Freude, wie es schon lange nichts mehr getan hat. Und nichts ist schlimmer, als seine Freunde mit eigenen Händen zu töten.

 

Angst und Hoffnung schossen zugleich durch Zenays Herz. Das konnte nur bedeuten, dass Tarek noch lebte!

 

Doch zugleich schlich sich eine übelkeitserregende Erkenntnis in ihre Seele. Zayda wollte auf ihn und die restlichen Überlebenden Jagd machen. Mit ihr als Waffe.

 

Das … das schaffst du nicht! Zu so etwas kannst du mich nicht zwingen, niemals!

 

Ach nein?

 

Zenay wollte gerade etwas erwidern, doch die Magie, die plötzlich rund um die Schlange entflammte, war zu stark, um auch nur zu denken. Dunkler Schmerz breitete sich über ihr Genick und ihre Wirbelsäule immer weiter aus und erfüllte schließlich ihren ganzen Körper.

 

Diesmal war Zaydas Macht alles einnehmend.

 

Wie in Trance spürte Zenay, wie sich ihre Arme bewegten und ihre Finger krümmten. Sie wollte etwas dagegen tun, aber Zayda hatte sie völlig unter Kontrolle. Trotz des Schmerzes und der betäubenden schwarzen Magie konnte sie die Schlange auf ihrem Arm noch fühlen, die Haut um die glatten Schuppen brannte wie Feuer, verfärbte sich erneut dunkelgrau und heilte augenblicklich wieder durch Zaydas düstere Magie.

 

Ein unglaublich starkes Pochen breitete sich in ihrem Schädel aus, das so lange anhielt, bis alles vor ihren Augen verschwamm und sich langsam rot färbte.

 

Ihre Finger waren jetzt gespreizt, als ihre Arme sich erhoben und die gewandelte Magie der Königin ausstrahlten. Wie schwarze Flammen züngelten sie über Zenays Haut, konzentrierten sich und formten einen dunklen Riss in der Realität.

 

Zenay würgte und Tränen traten ihr in die Augen, als die scheußliche, fremde Magie sie dazu zwang, sich zu teleportieren.

 

Die Bäume im Nebel verschwanden, selbst der Nebel verging für einen Moment, als ein schwarzer Blitz mit Wucht im Schilf einschlug und es knisternd zu schwelen begann.

 

Zenay ging ächzend in die Knie, blieb mitten im Schlamm des Sumpfes liegen und jäh fühlte sie, wie Regen auf sie niederprasselte und die Flammen um sie zischend löschte.

 

Ein Pochen erfüllte ihren Kopf, die Verbindung zu Zayda war noch aufrecht. Sie öffnete zitternd die Augen, der rote Schleier war fast verschwunden, und sie wurde sich bewusst, dass sie zu Boden gegangen war. Ihre Hände waren immer noch zu Fäusten geballt von der Erinnerung an die Magie, die sich angefühlt hatte, als würde sie brennen.

 

Der kalte Regen prasselte auf ihr Gesicht und lenkte sie einen Moment von der alles erfüllenden Gewissheit ab, dass sie nicht die Kraft hatte, Zayda aus ihrem Körper zurückzudrängen.

 

Als sie sich halb aufrichtete und einen Blick auf den Sumpf vor sich warf, konnte sie nicht mehr sehen, als wenn die Umgebung noch immer in Nebel gehüllt gewesen wäre, denn es regnete so heftig, dass sie kaum etwas in den Strömen erkennen konnte.

 

Sie hob ihre Arme und öffnete ihre verkrampften Hände. Als sie die Finger streckte, sah sie mit Entsetzen ihre aufgerissenen Handflächen. Ihre Fingernägel hatten sich tief in die Haut gebohrt und auf jeder Hand vier parallele Wunden hinterlassen, aus denen jetzt das Blut tropfte.

 

So ein Mist, das wird sich entzünden!, dachte sie wütend und rappelte sich auf. Wo ... hast du mich hingebracht?

 

Auf die andere Seite des großen, hässlichen Sees.

 

Du hilfst mir? Wieso?

 

In deinem Zustand hättest du das lange Schwimmen nicht durchgehalten ... und ich will noch nicht, dass du ertrinkst. Es wäre langweilig geworden.

 

Zenay schnaubte, um nicht zu würgen.

 

Du müsstest mich nicht die ganze Zeit beobachten!

 

Du hast nicht die Fähigkeit, mich daran zu hindern.

 

Eine plötzliche Schmerzenswelle ließ sie wanken, bevor die Verbindung abbrach. Sie fiel ächzend zurück auf die Knie und atmete schwer durch, da ihr Kopf nun endlich wieder nur ihr gehörte. Fast zumindest.

 

Da hätte sie mich doch auch gleich nach Yoruba bringen können!

 

Aber wiessso denn? Ein bisssschen Spaß muss doch sein und es issst äußerst belustigend, dich so verloren zu sssehen!, zischte die Schlange und Zenay meinte, selbst auf ihrem spitzen Maul ein gemeines Lächeln zu entdecken.

 

Halt deine gespaltene Zunge!

 

Aber bevor die Schlange etwas Bissiges erwidern konnte, unterbrach sie das laute Knurren von Zenays Magen und danach schwieg sie, als wollte sie es voll auskosten, das Zenay schon schwindlig war vor Hunger.

 

Zenay saß noch lange auf dem morastigen Boden und dachte nach, während der Regen auf sie niederfiel und das Wasser ihr Haar und ihren Körper hinab tropfte.

 

Sie versuchte, sich irgendwie zu beruhigen oder einen hoffnungsvollen Gedanken zu finden … aber was nützte Hoffnung ihr in solch einer Situation? Was würde passieren, wenn sie aus diesem Moor fand und nach Ornanung kam? Sollte sie nicht von dort fernbleiben – sonst würde sie Zayda direkt zu ihren Freunden führen, falls die noch lebten. Aber was sollte sie sonst tun? Hier bleiben?

 

Allein in einem Sumpf ohne Orientierung oder Ausrüstung? Ohne Tarek?

 

Jetzt musste sie doch schmunzeln. Hatte sie nicht fast genau dasselbe schon einmal gedacht? Vier Tage war das her – oder waren es schon fünf?

 

Zenay ballte die schmerzenden Fäuste.

 

Nun war auch noch ihr Zeitgefühl dahin ...

 

Und so vergingen Tag und Nacht.

 


 

Real Life

 

 

Warum sind Moore und Sümpfe so wichtig für die Welt?

 

 

 

Im Anschluss an eine doch etwas düsterere Sumpfszene möchte ich mit euch über mein liebstes Wissenschaftsthema sprechen: MOORE <3

 

Wie ihr wisst, begleitet mich die Moorforschung schon eine Weile, bereits in meinem Bachelor hatte ich mit ihnen zu tun, in meiner Masterarbeit erstellte ich globale Brandanalysen auf Mooren, jetzt arbeite ich an meiner Promotion zur Moordegradation.

 

Aber warum faszinieren mich Moore so? Nun, neben ihrer natürlichen Wildheit, ihrer abgelegenen Schönheit und Ruhe, ihrer faszinierenden Pflanzen- und Tierwelt sind es ganz simple Dinge, die sie für uns alle so wichtig machen: Moore speichern Unmengen an Kohlenstoff, sie speichern und filtern Wasser, kühlen die Umgebung, bieten Refugien für seltene Natur und noch vieles mehr.

 

 

 

Wie viele Moore gibt es denn auf der Welt?

 

Gaaanz genau ist das noch nicht bekannt, denn teilweise ist es wirklich knifflig, Moore genau zu kartieren und ihre Tiefe und Ausbreitung einzuschätzen, da sie allen Gegenden der Welt vorkommen und je nach Klima und ökologischer Umgebung ganz unterschiedlich aussehen! Von gefrorenen Polygonmooren in der Subarktis, über wunderschöne, waldfreie Moorlandschaften, ausgedehnte Moorwälder in Russland und Kanada bis hin zu überfluteten Sumpfsavannen und tropischen Regenwäldern mit Moorkörper … alles ist dabei – und zusammen bedeckt es etwa 3 % unserer Landoberfläche. Das faszinierende? Obwohl Moore als Ökosystem „so wenig“ Land bedecken, speichern sie mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Welt!

 

 

 

Warum ich sie dann erforsche?

 

Weil der Mensch, wie in so vielen Teilen des Lebens, nicht nachhaltig und fürsorglich mit ihnen umgeht. Eine lange Zeit (und teilweise heute noch) wurden Moore und ihr Torf als „nachhaltiger und nachwachsender Rohstoff“ angehsehen, weil er doch aus Biomasse besteht, die natürlicherweise wieder wächst. Das ist aber eine typische Menschensicht, die viel zu vereinfacht ist und darauf abzielt, Gewinn zu machen, denn Moore wachsen extrem langsam. Die meisten riesigen Moore, die wir heute haben, sind über zig tausend Jahre gewachsen, denn im Schnitt gewinnt ein Moor durch das Wachstum von Moosen (Sphagnum-Moose heißen die typischen Moor-Moose) und anderen Pflanzen 1 mm im Jahr! Für eine 1 Meter dicke Schicht, die Menschen mit Maschinen (oder auch von Hand) innerhalb von Wochen bis Monaten abbauen, hat das Moor 1000 Jahre gebraucht! Ist das nachhaltig?

 

Doch wofür werden Moorflächen eigentlich genutzt? Wenn viele an ein Moor denken, dann haben sie diese absolut nasse Landschaft vor Augen, mit Moos, in das man bis zu den Knöcheln oder Knien einsinkt, mit Wollgras und vielleicht ein paar abgestorbenen Bäumen. Doch das Bestehen und Wachsen dieser Ökosysteme hängt vor allem von ihrem Wasserhaushalt ab. Kommt der Mensch und gräbt Kanäle und Gräben in ein Moor, fließt das kühle Nass ab und der Wasserspiegel sinkt. Das Resultat: Die oberen Schichten des Moores trocknen und der Torfboden fängt an zu oxidieren, also sich durch bakterielle Aktivität zu zersetzen, die vorher größtenteils durch das Wasser gehemmt wurde.

 

Jetzt wird dieser Boden „fruchtbarer“ und kann genutzt werden. So ist das in Großteilen Norddeutschlands und Europas in den letzten Jahrhunderten geschehen. Eine große Menge an Feldern in Teilen Deutschlands waren eigentlich mal Moore, heute sind sie Äcker für Kartoffeln, Mais und Co, sind Viehweiden oder wurden aufgeforstet, also mit Wald bepflanzt. Ein Hinweis darauf: In diesen Feldern und Weiden liegen regelmäßig kleine Gräben, in denen das Wasser abläuft, also der Wasserspiegel abgesenkt wurde. Doch nicht nur als agrarwirtschaftliche Flächen sind Moore interessant: Jahrhundertelang wurde und wird ihr Torf als Brennstoff und als Substrat abgebaut. Durch seine biologischen Bestandteile und hohen Kohlenstoffgehalt brennt getrockneter, gepresster Torf fast so gut wie Holz oder Kohle und bot (und bietet noch heute) daher vielen Energie für die Öfen. Als Substrat wird Torf beim industriellen Anbau von Gemüse und Gartenpflanzen genutzt – er steckt in fast jedem Pflanzentöpfchen und jedem Erdsack, die man im Laden kauft. Außer es steht (und das sieht man zum Glück immer öfter) explizit auf den Verpackungen, dass diese Erde torffrei ist oder eine Pflanze für den Garten oder Balkon torffrei aufgezogen wurde. Ein guter, kleiner Beitrag für den Umwelt und KLIMAschutz, denn durch die Trockenlegung und Umwandlung von Mooren werden enorme Mengen CO2 freigesetzt, die zur Erwärmung des Planeten beitragen.

 

 

 

Wenn ihr mehr über Moore erfahren wollt, schaut euch doch folgende Webseiten an oder fragt mich, ich stehe gerne Rede und Antwort <3

 

 

 

https://www.bfn.de/themen/biotop-und-landschaftsschutz/moorschutz.html

 

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/moore/index.html

 

 

 

und meine (Mit)Arbeitgeber und Partner der Uni Greifswald:

 

https://www.moorwissen.de/de/moore/moorschutz/moorschutz_in_deutschland.php

 

 

 

 Im Bild: Sumpfwald. Farina, 2019

Der passende Bilur heute? Natürlich ein Nebel-Transport!

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