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Auf in den Wald ...

Tyarul

 

Irgendwo in Tyaruls Wäldern … streifen vier Gestalten in Richtung Natuh.

 

Zayda strich mehrere tiefhängende Buchenzweige aus dem Weg und musste ein Niesen unterdrücken. Ihre Füße schmerzten und ihr Magen knurrte nach dem stundenlangen Marsch, auf dem sie sich seit dem Morgen befanden.

Tanem hatte seit dem Frühstück kein Wort gesagt, obwohl er sich doch so gefreut hatte, dass sie sich dem Ziel näherten.

Endlich.

Vanu lief wieder einmal vorweg und tänzelte durch den sommerlich trockenen Wald als gäbe es weder Gepäck noch müde Muskeln.

Tanem schnaubte hinter ihr, als ihm ein Zweig ins Gesicht peitschte.

Zayda kicherte, doch sie kam nicht dazu, ihren jungen Freund zu schikanieren, denn Vanu kam aus dem trockenen Wald vor ihnen zurück und deutete dann den Weg entlang, den sie gerade vorgeeilt war. Sie war ganz staubig, lachte aber.

„Könnt ihr euch das vorstellen? In wenigen Tagen erreichen wir Natuh und die Templer dort. Und es sind Feliden!“

Sie kiekste fast, was Zayda die Augen verdrehen ließ.

Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätten sie sich schon längst in das Dorf in den westlichen Wäldern teleportiert und sich diesen dummen Fußmarsch gespart. Aber nein, sie hatte nach einer fruchtlosen Diskussion versprechen müssen, dass sie mit ihnen die Wanderung machte.

Wenn sie geahnt hätte, dass Vanu immer aufgeregter werden würde, je näher sie kamen, hätte sie dieses Versprechen niemals abgegeben. Sollte das nicht eine Reise zur Reinigung des Geistes sein? Zur Stählung des Körpers und der magischen Verbindung zur Natur?

Stattdessen plapperte Vanu von morgens bis abends über die Feliden, die in den Wäldern so anders sein mussten als die großen Clans, die im Süden in den Steppen und Bergen lebten.

„Weißt du, ich frage mich, wo wir leben werden“, machte Vanu weiter und hüpfte mit einem Satz über einen Graben.

Tanem folgte ihr schweigend über einen Baumstamm, der über dem Graben hing. Zayda sah sich um und wunderte sich, dass der Wald noch immer so trocken wirkte. Sollten die Wälder nicht so langsam frischer und nasser werden? Die ständige Hitze und Trockenheit ging Zayda gehörig auf die Nerven, schon in Tna’Ni hatte sie immer so geschwitzt! Dass es Sebila, die hinter ihr wie ein Schatten lief, nichts auszumachen schien, ärgerte die junge Zayda umso mehr. Ratken waren einfach nicht für dieses Klima gemacht.

Tanem war nun ebenfalls drüben und rückte sein Gepäck zurecht. Er sah sich im Wald um, in dem eigentlich kein Pfad mehr zu erkennen war.

„Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“

„Absolut sicher!“, rief Vanu zurück und winkte sie weiter durch den Wald.

Zayda seufzte und verdrehte nochmals die Augen. Also weiter. Immer weiter und weiter, bis die Dämmerung hereinbrach, die Luft kühler wurde und sie endlich eine Rast machten.

Sebila setzte wortlos ihre Vorräte ab, sobald sie einen kleinen Rastplatz gefunden hatten. Zayda warf ihr Gepäck scheppernd in das trockene Laub und begann, dicke Äste zu sammeln und auf einen Haufen zu werfen, während die anderen Schalen und etwas Proviant auspackten.

Es war ein klarer Himmel und Zayda spürte, dass es eine kalte Nacht werden würde.

Mehr und mehr Holz brach sie in Stücke und entfachte schließlich das daruntersteckende Gras mit mehreren heißen Funken. Sofort leckten Flämmchen durch die Halme nach oben, schlossen sich einer kleinen Rauchfahne an.

Zayda setzte sich und beobachtete wortlos ihre Dienerin dabei, wie sie Brot teilte und an die anderen reichte. Nicht mehr lang und sie würde dessen absolut überdrüssig sein. Verfluchte, trockene Fladen und verfluchter, trockener Wald!

Sie ballte die Hand.

Funken stoben auf und tanzten durch die Dämmerung.

Mit einem Mal gewann das Feuer an Kraft, breitete sich über die trockenen Holzstücke aus – und ein Knistern erfüllte den Wald hinter Zayda.

Die kühle Abendbrise hatte sich gedreht, weg von ihr … und sie schnupperte dennoch Rauch.

Auch die anderen bemerkten es nun und sahen auf.

„Der Wald brennt!“, stieß Sebila entsetzt aus.

Zayda drehte sich etwas, blieb jedoch sitzen und musterte die Flammen, die im Laub zwischen den nahen Bäumen kurz aufloderten.

“Ach, lasst es doch brennen.”

“Zayda!”, rief Vanu entsetzt und sprang auf, um den förmlich fortlaufenden Flammen zu folgen.

Rauch stieg auf, wurde vom drehenden Wind in die Höhe getragen. Die Funken sprangen immer weiter, fanden neues Futter, fraßen sich tiefer in den Wald. Erste Büsche gingen knisternd in Flammen auf. Ihre ohnehin trockenen Blätter kräuselten sich zu schwarzen, schrumpeligen Blattgerippen und tanzten in die Höhe.

Was für ein schöner Anblick.

Doch Vanu und Tanem hasteten den Flammen hinterher und erstickten die kleine Front. Es loderte noch ein Baum auf und das Feuer fraß sich in seine Nadelkrone, dann hatten die Felide und der Miakoda den Wind und die Funken unter Kontrolle und beendeten das Spektakel.

Hustend und rußverschmiert kehrten sie an das Lagerfeuer zurück und Tanem erstickte auch dieses mit einem zornigen Blick auf Zayda.

„Was sollte das? Das hätte ins Auge gehen können!“, rief er erbost.

Zayda rollte nur mit den Augen. „Ach.“

Vanu schüttelte den Kopf und ließ dabei etwas Asche herabregnen.

„Immerhin soll es in Natuh so nass sein, dass da nichts brennt.“

Zayda schnaubte.

War das eine Herausforderung?

 

Real Life

Sicherheit im und für den Wald

Wald ist Wildnis - Wald ist Wirtschaft. In diesem breiten Spannungsfeld findet sich eine unglaubliche Vielfalt an Ökosystemen - allein schon hier in Deutschland. Angefangen bei der forstwirtschaftlichen Fichtenmonokultur reicht die Bandbreite über moderat bewirtschaftete Schonwälder, streng geschützte Nationalparks bis hin zu Bannwäldern und Totalreservaten, die nur beauftragte Wissenschaftler betreten dürfen. Auch hinsichtlich der Art der Wälder haben wir eine unfassbare Diversität - nur ein paar Beispiele: Auenwälder, deren Bedeutung für den Hochwasserschutz nicht unterschätzt werden darf. Lichte Nadelwälder in den weiten Ebenen Brandenburgs. Dunkle Mischwälder in den Mittelgebirgszügen. Geheimnisvolle Laubwälder mit undurchdringlichem Unterholz.

Sie alle stellen komplexe Ökosysteme dar, die eine große Mannigfaltigkeit an Tier-, Pflanzen- und Pilzarten beherbergen - ja, selbst die vergleichsweise minderwertigen Fichtenmonokulturen, die mehr Plantage als Wald sind und zunehmend durch diversere Wälder ersetzt werden sollen. Manche tragen viel dazu bei, dass selbst unsere Städte eine gut zu atmende Luft haben. Andere sind von kritischer Bedeutung für das Grundwasser ihrer Umgebung. Große Teile von ihnen liefern uns den vielleicht ökologischsten, klima- und umweltschonendsten Bau- und Werkstoff für eine riesige Bandbreite an Anwendungszwecken: Holz.

Aber auch Erholung, Ruhe, Flucht vom Stadttrubel finden wir in den Wäldern, besonders im Umfeld der großen Städte und Ballungsgebiete. Manchmal kommt es dabei auch zu Konflikten zwischen den ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedeutungen des Waldes. Um diese zu verhindern oder zu lösen, gibt es verschiedene Regeln, die jeder von uns einhalten muss. Dazu gehört etwa, dass Feuer im Wald ein Tabu darstellt - denn im Gegensatz zu Vanu, Tanem und Zayda haben wir für gewöhnlich keine Eisbilure und magischen Fertigkeiten zur Verfügung. Ein Brand ist im Wald schnell ausgelöst, aber nur schwer wieder zu löschen! Feuer ist daher, wenn überhaupt, nur an offiziell ausgewiesenen Feuerstellen zugelassen. Selbst wenn es kürzlich geregnet hat und der Waldboden feucht oder gar nass wirken mag, können sich unter der Oberfläche enorme Brandlasten verstecken - nicht nur, aber besonders angesichts der Dürre, die wir hier seit inzwischen Jahren haben.

Doch auch für andere Tätigkeiten kann es Einschränkungen oder gar Verbote geben, etwa für Hundehalter (bspw. Leinenpflicht in der Setzzeit), Reiter, für das Verlassen der Wege oder beim Fahrradfahren. Im Zweifelsfall kann das Rathaus oder auch die Touristenauskunft sicher weiterhelfen und Informationen zu den vor Ort geltenden Regeln geben!


Weitere Infos zum Thema: https://www.forstpraxis.de/was-ist-im-wald-verboten-was-erlaubt/

 

Im Startbild: Waldweg im Taunus. Julian, 2019

Feuerwaldbilder stammen von Farina bei einem feuerökologischen Experiment der SLU (Universität Umea)

 

Der passende Bilur zum heutigen Thema? Eindeutig Feuer!

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