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Autorensonntag 26. April

Dieser #Autorensonntag ist #sexy ;)
Sex. Ein Wort, das viel zu oft verschwiegen oder hinter vorgehaltener Hand gesagt wird, wie ich finde. Sex ist etwas, das zum Leben dazu gehört, ja es sogar ausmacht! Sex ist Klebstoff in Beziehungen, lässt uns verschmelzen und die Welt vergessen - doch er kann auch furchtbar sein, furchtbare Schäden anrichten. Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die bisher fast ausschließlich positive bis neutrale Dinge damit verbinden. Doch ich kenne auch Menschen, denen Furchtbares durch Sex widerfahren ist.
Gewalt ist etwas, das in unserer Welt viel zu normal ist. Eine Perversion, wie ich finde. Eher sollte Sex Gesprächsthema Nummer 1 sein! In der Schule lernen wir (zumindest zu meiner Zeit) hauptsächlich die Biologie dahinter, doch es geht dabei um so viel mehr! Es geht um Sinnlichkeit, um Einfühlungsvermögen, darum andere und sich selbst zu lieben, seinen eigenen Körper und den von anderen auf intimste Weise kennenzulernen. Redet ihr mit euren Freunden, eurer Familie über Sex? Ich persönlich finde es klasse, mich darüber auszutauschen, denn dadurch verliert es diese Tabuisierung und für eine tolle Anzahl an Menschen in meinem Umfeld ist es völlig normal, was mir Hoffnung macht.
Dennoch schreibe ich fast keine Sexszenen und in meinen Büchern geht es gewaltig düster vor. Warum? Vielleicht gerade, weil ich Sex als etwas Normales empfinde und Gewalt als etwas absolut Unnormales. Krieg und Gewalt beschäftigen mich mehr, weil ich sie nicht so verstehe.
Gerade deshalb wollte ich in meinen Büchern zeigen, was für heftige Auswirkungen Gewalt hat - und wie natürlich Sex ist. Gerade deshalb sind bei mir (hoffentlich) Sexszenen nicht der allerkitschigste Kram, sondern passieren, bahnen sich an und gehören zum Leben meiner Charaktere dazu, nachdem sie zusammengefunden haben. Das muss nicht immer perfekt sein, kann mal romantisch, mal heiß und erotisch daher gehen - doch irgendwie kommen solche Sexszenen bei mir insgesamt nicht so oft vor. Ich glaube, ich kann sie noch locker an zwei Händen abzählen. Ein seltsamer Kontrast, oder nicht? Für mich ist Sex etwas natürliches, doch Zenay und Tarek, Jamil und Asha ... nun, in ihren Welten herrscht so viel Chaos, dass für Sex gar nicht viel Gelegenheit ist.
Wie man sowas dann genau schreibt, wie oft und zwischen wem? Puh, das will ich mir nicht anmaßen, zu empfehlen. Der Schreibende sollte sich damit wohlfühlen. Es gibt eine unglaubliche Vielfalt in der Buchwelt und gerade das feiere ich so daran! Gut, bei mir kamen, bis auf einen schwulen Nebencharakter in den Novellen, LGBT*-Themen praktisch nicht vor - doch das hat eher den Grund, dass ich meine bisherigen Bücher nicht mit zu vielen Themen gleichzeitig beladen wollte. Doch das schöne: die Sichtbarkeit der Vielfalt und auch ihre Akzeptanz wächst - und gerade deshalb (heute meine Lieblingsformulierung, hust) ist es toll und wichtig, das #sexy #Autorenthema zu erwähnen ❤️

 

PS: nach einer konstruktiven Diskussion auf Instagram möchte ich diesen Beitrag noch um eine wichtige Mitteilung ergänzen:
Sex MUSS niemals für alle etwas sein! Es gibt viele verschiedene Menschen und auch Einstellungstypen auf unserer Welt, wozu auch Demi- oder asexuelle Menschen gehören - oder auch solche, die schlichtweg Sex uninteressant finden. Das bedeutet für mich aber niemals, dass sie ein weniger erfülltes Leben haben. Wie eine Freundin so schön sagte: "Sex ist wohl die wichtigste Nebensache auf der Welt". Es kann aber eben auch Nicht-Sache sein ;)
Wer also nicht über Sex lesen, schreiben oder ihn erleben möchte: Das ist vollkommen okay.

 

PPS: Und mein Lektor Julian würde nun sicherlich gerne wollen, dass ich noch erwähne: Zayda ist asexuell! Für sie existieren das Konzept Sex (und Liebe) nicht, und das schon, bevor sie mit schwarzer Magie hantierte ;)

 

PPPS (und vielleicht das wichtigste P!): SCHUTZ! KONDOME! VERHÜTUNG!

Nein, das ist kein Witz, denkt daran, die Gesundheit von euch und euren Partner(n) ist wichtig! In meinen Fantasywelten ist das nur deshalb kein Thema, weil es eben Fantasy ist!

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Kommentare: 2
  • #1

    Julian (Sonntag, 26 April 2020 14:43)

    Ja, bei Zayda hatten wir das Thema ja sogar explizit diskutiert. Das war eine bewusste Entscheidung, dass bei ihr das Thema nicht aufkommt bzw. hier und da leichte Genervtheit sichtbar wird.

  • #2

    Julian (Sonntag, 26 April 2020 20:41)

    Und jetzt noch etwas ausführlicher:

    Ich sehe das genauso wie Du - es ist eine absolute Perversion, wie die Hemmschwellen zum Besprechen, Zeigen und Betrachten von Gewalt und von Sexualität voneinander abweichen. Gemetzel, Leichen, Blutlachen, Mord und Totschlag - alles normal im Nachmittags- und Vorabendprogramm und ab 12 freigegeben. Aber Sexualität - Gott bewahre? Ja warum denn? Und welcher überhaupt? Die meisten in unserer Menschengeschichte jedenfalls waren keine Kinder von Traurigkeit.
    Darstellungen von Gewalt und ihren Folgen, fiktiv wie real, (eingefleischte Farinafans aufgepasst:) wabern Tag für Tag über unsere Bildschirme, doch bei weiblichen Brustwarzen hört der Spaß auf, selbst ganz ohne sexuellen Kontext. Sorgen bereitet mir, wie durch die Marktmacht amerikanischer Unternehmen die dortige verquere (und untrennbare!) Mischung aus Prüderie einerseits und unreflektierter Hypersexualisierung andererseits auch hierher schwappt. Einerseits wird alles mögliche sexualisiert, ohne dass es einen Anlass dazu gäbe - wie etwa die bereits erwähnten Brustwarzen. Und andererseits wird alles sexuelle oder so gedeutete skandalisiert und abgestraft. Selbst dieser Text hier von Farina: Er hat auf Instagram bereits beim Verfassen dieses Kommentars fast genauso viele Likes und fast doppelt so viele Kommentare wie der Post von gestern. Trotzdem wird er vollautomatisiert abgestraft und im Feed weit tiefer angeordnet. Keine Sorge - würde hier eine Buchszene stehen, in der jemand dramatisch das Blut aus seiner durchstoßenen Lunge heraushustet und schmerzhaft krepiert, wäre der Post ganz normal an seinem chronologischen Platz, oder bei dieser Interaktionsquote sogar deutlich nach oben verschoben.
    Wenn einer Buchfigur ein Messer zwischen die Rippen geschoben wird, sie die Augen schmerzerfüllt aufreißt, panisch spürt, wie ihr Herz zu schlagen aufhört und Blut den Bauch herunterläuft, kommt keiner auf die Idee, das Buch in die Splatterecke zu schieben.
    Wenn einer Buchfigur ein Penis zwischen die Schamlippen geschoben wird, sie die Augen lusterfüllt aufreißt, ekstatisch spürt, wie ihre Klitoris zu pulsieren beginnt und Lust die Schenkel herunterläuft, steht das Buch für fast jeden bestenfalls in der Softpornoecke. Ersteres schockiert niemanden in einem Jugendroman ab 12, letzteres wagt sich kaum wer einem Minderjährigen in die Hand zu geben. Warum? Wo ist da der Unterschied? Sie sind exakt gleich explizit, aber wirklich aufs Haar genau gleich explizit. Nur in ersterem stirbt ein Mensch qualvoll gegen seinen Willen, in letzterem überschwemmen sich zwei Menschen in gegenseitigem Einverständnis mit gefühlt literweise Glückshormonen. Ersteres zerstört Leben, letzteres macht es schön und, wenn gewünscht, erschafft es gar neues.
    Vom "Skandal", wenn der genannte Penis zwischen zwei männliche Pobacken geschoben wird oder gar Themen und Techniken wie Lustschmerz, Bondage oder Gruppensex (auch noch mit Männern untereinander) aufkommen, wollen wir hier lieber gar nicht erst anfangen.